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Alten- und Krankenpflegeberufe erhalten

Seit ihrer Gründung setzt sich die DGGPP dafür ein, dass psychisch kranke Ältere - insbesondere die Demenzkranken - und deren Angehörige im ambulanten, teilstationären und stationären Bereich besser versorgt werden und die Arbeitsbedingungen für alle in der Gerontopsychiatrie Tätigen verbessert werden.

Die Bundesregierung will die Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege in einen Topf werfen und zu einem einzigen neuen Pflegeberuf zusammenbringen, dies sieht die DGGPP als kontraproduktiv an und hat u.a. auf dem diesjährigen Kongress in Essen der Öffentlichkeit und den Medien ihre Position mitgeteilt -> zur PRESSEMITTEILUNG

Der Präsident der DGGPP hat außerdem die zuständigen Bundes- und Landesminister angeschrieben. Inzwischen haben Minister Gröhe und Staatssekretär Laumann geantwortet. Links zu ihren Schreiben finden Sie unten nach dem Brief an den Bundesgesundheitsminister

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Berlin 18. März 2015

Sehr geehrter Herr Minister Gröhe,

als medizinische Fachgesellschaft ist die Deutsche Gesellschaft für Geron-topsychiatrie und –psychotherapie e.V. (DGGPP) in vielen Projekten engagiert, u. a. in der Allianz für Menschen mit Demenz der Bundesregierung und der Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen. Inhaltlich sind für uns Fragen der medizinischen und pflegerischen Versorgung von psychischen Erkrankungen im Alter, wie etwa Depression und Alzheimer-Krankheit, von besonderer Bedeutung. Gerade die stetig wachsende Gruppe von Alzheimer-Kranken wird unser Gesundheits- und Sozialwesen vor eine bislang nicht bekannte Herausforderung stellen.

Mit großer Sorge betrachten wir die von der großen Koalition geplante Einführung der sogenannten generalistischen Pflegeausbildung, die die Abschaffung von Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege in ihrer bisherigen Form vorsieht. Dieses Vorhaben ist umso unverständlicher, als Deutschland mit dem Altenpflegeberuf und seinen differenzierten Curricula schon vor Jahren ein Modell geschaffen hatte, das inzwischen weltweit von Fachleuten als vorbildlich angesehen wird.

Auf der anderen Seite brauchen wir neben den speziellen sozialpflegerischen Kompetenzen der Altenpflege weiterhin die erprobte Fachkompetenz der Krankenpflege. Ein Pflegegeneralist, der wie bisher 3 Jahre ausgebildet wird, sich allerdings in dieser Zeit Kompetenzen in allen drei bisher getrennten Ausbildungsberufen aneignen soll, kann zwangsläufig auch nicht annähernd die jetzt in jedem einzelnen Berufsfeld geforderten Kenntnisse und Erfahrungen erwerben.

Wie Sie wissen, rechnet das Statistische Bundesamt für 2025 mit etwa 152.000 fehlenden Pflegekräften, PriceWaterhouseCoopers bis 2030 mit 950.000 fehlenden Fachkräften in Gesundheit und Pflege insgesamt.

Parallel dazu verändert sich der wichtigste Pflegedienst - die Familie. Die individuelle Mobilität steigt, die Zahl der Einpersonenhaushalte nimmt zu. Verschärft wird diese Entwicklung durch den starken Geburtenrückgang. Damit fehlen nicht nur Einzahler in die Sozialsysteme, es können sich auch immer weniger Jüngere um die älteren Pflegebedürftigen kümmern.

Die Zahl der Demenzkranken steigt stetig an und wird sich bis 2050 mehr als verdoppeln. Wer versorgt diese Patienten dann medizinisch und pflegerisch?

Nach Ansicht der DGGPP wird die verstärkte Zusammenarbeit unter-schiedlicher Experten aus Medizin, Pflege und den Sozialen Berufen in multiprofessionellen Teams notwendig sein, um die vielfältigen medizinischen und pflegerischen Herausforderungen des Demografischen Wandels zu meistern.

Aus unserer Sicht werden alle - Krankenhäuser, Heime und besonders die Patienten - verlieren, wenn die generalistische Pflegeausbildung mit den aus dem Eckpunktepapier vom 2. März 2012 bekannten Grundzügen umgesetzt werden sollte.

Leider war bislang die DGGPP - und wohl die Medizin insgesamt - nicht in die Diskussion um dieses wichtige Zukunftsprojekt „Pflegeausbildung“ eingebunden. Auch unser Angebot, an dem Workshop am 20.6.2014, der von Ihrem Haus gemeinsam mit dem BMFSFJ ausgerichtet wurde, teilzunehmen, wurde leider abgelehnt. Deshalb wenden wir uns jetzt direkt an Sie mit der Bitte, dafür zu sorgen, dass auch medizinische Fachkompetenz in die Diskussion eingebunden wird.

Da inzwischen in fast allen gerontopsychiatrischen Kliniken und Abteilungen AltenpflegerInnen mit gutem Erfolg beschäftigt werden, ist es der Gesellschaft ein großes Anliegen, darauf hinzuweisen, dass wir weiterhin auf die bereits heute dringend benötigten, gut ausgebildeten Fachkräfte aus den beiden Berufen Kranken- und Altenpflege zurückgreifen möchten.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. med. Hans Gutzmann
Präsident der DGGPP

Nachrichtlich an:
Bundesministerin Schwesig
Staatssekrtär Laumann
Staatssekretärin Fischbach
Staatssekretärin Widmann-Mauz

Sowie gleichlautende Schreiben an die Mitglieder der Gesundheitsminister- Konferenz -> das Schreiben als .pdf

Hier ist das Antwortschreiben von Minister Gröhe sowie das Antwortschreiben von Staatssekretär Laumann.

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Letzte Änderung am 20.05.2015 10:11
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